INSIDER talks
#01 Andreas Lücker
Der Podcast von INWERK
Was Unternehmen von der Fliegerei lernen können.
Ein Gespräch mit Lufthansa-Pilot Andreas Lücker.
Wenn Entscheidungen unter Druck getroffen werden müssen, zeigt sich, wie gut ein Team funktioniert – und wie sicher eine Führungskraft steht. Für Andreas Lücker ist das Alltag. Seit 15 Jahren fliegt er für eine große deutsche Airline. Und was ihn an diesem Beruf fasziniert, gibt er inzwischen als Trainer auch an Unternehmen weiter.
Im Gespräch mit mir erzählt er, wie Vertrauen entsteht, wenn sich Menschen aufeinander verlassen können – auch ohne sich zu kennen. „Ich fliege fast nie mit derselben Crew“, sagt Lücker. Und doch muss jeder Handgriff sitzen, jede Entscheidung klar sein. Struktur gibt Sicherheit – und Raum für das, was nicht planbar ist.
Zur Person
Andreas Lücker bringt mehr als 13 Jahre Erfahrung als Pilot – darunter umfangreiche Jahre als Ausbilder – mit. Diese Expertise nutzt er seit rund drei Jahren, um Führungskräfte, Unternehmen und medizinische Fachkräfte in den Bereichen Entscheidungsfindung, Führung und Kommunikation zu beraten.
Entscheidungen treffen, wenn es zählt
Im Cockpit gibt es klare Abläufe, standardisierte Kommunikation, präzise Checklisten. Aber Andreas betont: „Es reicht nicht, Punkte abzuhaken. Man muss verstehen, was dahintersteckt.“ Gerade bei unerwarteten Situationen brauche es eine Führung, die Ruhe ausstrahlt – und Menschen, die den Mut haben, Verantwortung zu übernehmen.
Ein Punkt, den er immer wieder in sein Coaching trägt: Entscheidungen treffen ist erlernbar. Nicht nur aus dem Bauch, sondern auf Basis von Training, Reflexion und Struktur. Das gilt im Flugzeug genauso wie im Unternehmen.
Vertrauen beginnt im Kleinen
Vertrauen entsteht oft durch Nähe – durch die kleinen Dinge. Wenn sich ein Pilot beim Boarding zeigt und ein paar Worte mit einem Fluggast wechselt. Gerade in Zeiten, in denen Vertrauen erschüttert wurde, wie nach dem Absturz 2014, sei dieser persönliche Kontakt essenziell gewesen: „Wir wollten zeigen: Da vorne sitzen Menschen, die Verantwortung tragen – und die genauso nach Hause wollen wie jeder an Bord.“
Diese Haltung überträgt Andreas auf Führungsrollen in Unternehmen: Wer Vertrauen möchte, muss selbst den ersten Schritt gehen. Nicht mit Perfektion, sondern mit Menschlichkeit.
Fehler offen ansprechen
In der Luftfahrt ist es selbstverständlich, Fehler zu analysieren – nicht um Schuldige zu suchen, sondern um besser zu werden. „Selbst konkurrierende Airlines tauschen sich aus, wenn es um Sicherheitsrelevantes geht“, erzählt Andreas. Eine Praxis, die vielen Unternehmen noch schwerfällt.
Doch gerade diese offene Fehlerkultur könne zum Wendepunkt werden. Wenn Führungskräfte eigene Versäumnisse ansprechen, mache das etwas mit dem Team – es schafft Raum für Entwicklung, für Verantwortung und für eine neue Art von Miteinander.
Führung beginnt bei uns selbst
Andreas spricht über Selbstfürsorge, über die Notwendigkeit von Pausen – und darüber, wie leicht Führungskräfte sich selbst aus dem Blick verlieren. „Wer ständig auf Hochleistung läuft, verliert irgendwann Klarheit“. Seine Empfehlung: Zeit für sich nehmen, Routinen hinterfragen, sich selbst ernst nehmen.
Auf meine Frage am Ende, welcher Ratschlag ihn durch sein Leben begleitet, stammt aus seiner Jugend – und zwar von einem Kollegen im Baumarkt: „Wenn du was machst, dann mach’s richtig.“ Ich finde, dass Andreas mit seiner Art zu Denken und zu Handeln sehr viel richtig macht.
Ich danke Andreas für diesen inspirierenden Austausch und, dass er mein Gast in der ersten Folge von INSIDER talks war.
Wer jetzt neugierig geworden ist, den lade ich herzlich zum Reinhören ein:
? Jetzt reinhören.
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moderiert von Antonella Rossi